Energiewende von unten: Lasst die Bürger machen

Die Energiewende wird nicht in Ministerien gewonnen. Sie gelingt, wenn Bürger Strom erzeugen dürfen, ohne vorher zum Subventionsempfänger, Formularfachmann oder Hilfshändler auf dem Strommarkt werden zu müssen.

Genau daran muss sich die aktuelle Reform des Erneuerbare Energien Gesetzes messen lassen.

Am 9. Oktober demonstrierten in Berlin nach Angaben der Polizei rund 6.000 Menschen gegen die geplanten Änderungen. Der Veranstalter sprach von 8.000 Teilnehmern. Der Protest richtet sich unter anderem gegen den schrittweisen Wegfall staatlicher Förderung für kleine Solaranlagen und gegen neue Vermarktungspflichten. Zugleich sollen Regionen mit Netzengpässen als kapazitätslimitiert eingestuft werden. Bericht vom 9. Oktober 2026 über die Demonstration und die Reformpläne

Die politische Debatte folgt damit wieder dem vertrauten Muster. Die eine Seite will länger fördern. Die andere will Förderung kürzen, aber dafür neue Pflichten und neue staatliche Steuerung einführen.

Beides greift zu kurz.

Eine marktwirtschaftliche Energiewende braucht weder ewige Preisgarantien noch ein neues Dickicht aus Vermarktungsvorgaben und staatlich definierten Investitionszonen. Sie braucht Eigentum, Wettbewerb, einfache Regeln und Preise, die die Wahrheit sagen.

Eine kleine Geschichte über große Freiheit

Stellen wir uns eine beispielhafte Berliner Geschichte vor. Miriam ist erfunden, ihre Situation aber alltäglich. Sie lebt zur Miete in Lichtenberg. Der Balkon zeigt nach Süden. Sie kauft zwei Solarmodule, befestigt sie fachgerecht, steckt die Anlage ein und registriert sie online.

An einem sonnigen Samstag läuft die Waschmaschine mittags. Das Handy zeigt, dass ein Teil des Stroms gerade vom eigenen Balkon kommt. Miriam wird damit nicht energieautark. Sie rettet auch nicht allein das Klima. Aber sie erlebt etwas politisch Wertvolles: Eine Bürgerin investiert eigenes Geld, trägt die Verantwortung für ihre Entscheidung und senkt einen Teil ihrer laufenden Kosten aus eigener Kraft.

Niemand musste ihr einen Fünfjahresplan schreiben. Keine Behörde musste die passende Technik auswählen. Kein Minister musste eine Pressekonferenz geben.

Miriam handelt, weil es sich für sie lohnt.

Genau das ist Freiheit im Alltag. Nicht abstrakt, nicht pathetisch, sondern sichtbar auf der Stromrechnung. Sie verbindet Eigentum, Verantwortung und eigenes Risiko. Funktioniert die Anlage gut, profitiert Miriam. Hat sie schlecht gerechnet, trägt sie die Folgen. So entstehen vernünftige Entscheidungen.

Diese Geschichte ist beispielhaft, die Entwicklung dahinter ist real. Im Sommer 2026 waren bundesweit bereits mehr als 1,4 Millionen Steckersolaranlagen registriert. Aktuelle Zahlen aus dem Marktstammdatenregister, Juli 2026 Die Bundesnetzagentur hat die Registrierung deutlich vereinfacht. Für kleine Anlagen sind nur noch wenige Angaben erforderlich. Bundesnetzagentur: Regeln für Balkon Solaranlagen

Das ist die entscheidende Lehre: Wenn der Staat eine Hürde senkt, handeln Menschen. Schnell, dezentral und mit eigenem Geld.

Subventionen machen aus Bürgern Antragsteller

Erneuerbare Energien sind längst keine technische Randerscheinung mehr. Solarstrom ist verfügbar, Anlagen werden leistungsfähiger und der Wettbewerb hat die Preise gesenkt. Eine dauerhaft garantierte Vergütung ist deshalb kein Zukunftsmodell.

Subventionen wirken bequem, weil die Rechnung zunächst unsichtbar bleibt. Bezahlt wird trotzdem. Über Steuern, Netzentgelte, Strompreise oder Schulden.

Noch wichtiger ist die falsche Verantwortung. Wer einen politisch garantierten Preis erhält, richtet seine Investition nicht allein an Nachfrage, Netzsituation und Wirtschaftlichkeit aus. Ein Teil des Risikos wird auf die Allgemeinheit verschoben.

Das ist auf Dauer weder liberal noch nachhaltig.

Wer Strom produziert, soll ihn verkaufen dürfen. Wer eine Anlage baut, soll an guten Erlösen verdienen können. Er muss aber auch mit niedrigen Preisen, technischen Veränderungen und eigener Fehlkalkulation umgehen. Gewinne und Risiken gehören zusammen.

Der Staat soll Verträge schützen und verlässliche Regeln setzen. Er soll nicht jede Kilowattstunde politisch bewerten und mit einem Wunschpreis versehen.

Neue Pflichten sind kein Markt

Das Ende einer Förderung ist noch keine marktwirtschaftliche Reform.

Wenn der Staat Preisgarantien streicht, kleine Produzenten dafür aber mit komplizierter Direktvermarktung belastet, tauscht er nur eine Bürokratie gegen die nächste. Wenn er Gebiete zu politisch definierten Engpasszonen erklärt, ohne Netzbetreibern klare Pflichten und Fristen aufzuerlegen, wird aus einem Infrastrukturproblem ein Investitionsverbot durch die Hintertür.

Ein Balkonkraftwerk ist kein Energiehandelskonzern. Eine Familie mit Solardach braucht keine eigene Abteilung für Bilanzkreise. Regeln müssen zur Größe des Risikos passen.

Für kleine Anlagen sollte deshalb ein einfacher Grundsatz gelten: selbst verbrauchen, Überschüsse unkompliziert einspeisen, keine garantierte Rendite, aber auch keine Händlerbürokratie.

Bei größeren Anlagen kann der Markt mehr Verantwortung verlangen. Dort sind Direktvermarktung, Speicher, flexible Produktion und vertragliche Absicherung zumutbar. Gleichbehandlung bedeutet nicht, einen Balkon und einen Solarpark mit demselben Formular zu überziehen.

Berlin braucht Energieproduzenten, keine Förderkunden

Berlin wird seine Energieversorgung nicht mit großen Windparks in der Innenstadt lösen. Die Stärke der Stadt liegt woanders: auf Dächern, an Fassaden, auf Gewerbehallen, über Parkplätzen und in den vielen Entscheidungen von Mietern, Eigentümern und Unternehmen.

Der Senat sollte daraus kein neues Landesprogramm mit Antragsportal, Werbekampagne und eigener Förderrichtlinie machen.

Er sollte Hindernisse beseitigen.

Netzanschlüsse und Zählerwechsel brauchen digitale Verfahren und verbindliche Bearbeitungsfristen. Gemeinschaftliche Versorgung in Mehrfamilienhäusern muss ohne steuerlichen und energierechtlichen Hindernislauf möglich sein. Eigentümer müssen Sicherheitsanforderungen durchsetzen können, dürfen geeignete Anlagen aber nicht aus bloßer Bequemlichkeit blockieren. Landeseigene Dachflächen sollten transparent und im Wettbewerb vergeben werden, statt den nächsten öffentlichen Betreiber aufzubauen.

Vor allem muss Berlin aufhören, private Initiative als Ergänzung staatlicher Planung zu betrachten. Private Initiative ist der Ausgangspunkt. Der Staat greift nur dort ein, wo Netze, Sicherheit oder Rechte Dritter betroffen sind.

Sechs Regeln für eine freie Energiewirtschaft

Erstens müssen bestehende Zusagen gelten. Wer unter einem verlässlichen Rechtsrahmen investiert hat, darf nicht nachträglich enteignet oder politisch um seine Kalkulation gebracht werden. Für neue Anlagen reifer Technologien können garantierte Vergütungen dagegen schrittweise auslaufen.

Zweitens brauchen Kleinerzeuger eine echte Bagatellgrenze. Wenige Angaben zur Registrierung genügen. Keine zusätzliche Händlerpflicht, keine jährlichen Nachweise, kein Förderantrag.

Drittens müssen Strompreise Knappheit abbilden dürfen. Dynamische Tarife geben Haushalten und Unternehmen einen Anreiz, Verbrauch in günstige Zeiten zu verlagern. Der Staat soll diese Entscheidung ermöglichen, nicht den Tagesablauf vorschreiben.

Viertens müssen Netze und Speicher im Wettbewerb wachsen. Netzbetreiber brauchen transparente Ausbaupflichten und verbindliche Anschlussfristen. Speicher dürfen nicht durch doppelte Abgaben bestraft werden, wenn sie Strom aufnehmen und später wieder abgeben.

Fünftens gehört die Stromsteuer für alle auf das europäische Mindestmaß. Es ist widersinnig, privaten Stromverbrauch künstlich zu verteuern und anschließend einzelne Gruppen mit neuen Hilfen zu entlasten.

Sechstens muss Technologieoffenheit gelten. Wer CO2 vermeidet, Versorgung sichert und Kunden überzeugt, soll am Markt bestehen können. Politik hat nicht vorherzusagen, welche Kombination aus Solarenergie, Windkraft, Speichern, Netzen, Importen oder neuen Technologien im Jahr 2040 die beste sein wird.

Warum es dafür eine starke FDP braucht

Die FDP fordert, erneuerbare Energien vollständig in den Wettbewerb zu überführen. Sie lehnt staatlich garantierte Abnahmepreise und politisch festgelegte Ausbaupfade ab und will zugleich die Eigenversorgung erleichtern. FDP: Eigenversorgung mit erneuerbarem Strom erleichtern

Das ist kein technischer Nebenpunkt. Es ist eine klare Entscheidung über das Verhältnis von Bürger und Staat.

SPD, Grüne, Linke und Union streiten zu oft nur darüber, welche Technologie wie lange gefördert und von welchem Ministerium gesteuert werden soll. Die liberale Frage lautet anders: Welche Regeln braucht ein freier Markt, damit Millionen Menschen selbst investieren, produzieren, speichern und handeln können?

Darum wird die FDP gebraucht. Nicht als freundlicher Korrekturrand eines Förderstaates, sondern als Partei, die Bürgern etwas zutraut. Sie muss dafür sorgen, dass das Ende alter Subventionen nicht zum Beginn neuer Bürokratie wird.

Die Geschichte vom Balkonkraftwerk ist klein. Ihre politische Botschaft ist groß.

Menschen übernehmen Verantwortung, wenn man sie lässt. Sie investieren, lernen und verändern ihr Verhalten. Nicht weil eine Behörde sie dazu erzieht, sondern weil Freiheit einen Unterschied im eigenen Leben macht.

Die Energiewende braucht keine neuen Dauersubventionen. Sie braucht auch keine neuen Verbote.

Sie braucht Millionen freie Entscheidungen.

Berlin und der Bund sollten deshalb den Förderapparat zurückbauen, den Markt öffnen und die Bürger machen lassen.

Strom aus eigener Hand. Verantwortung aus eigener Entscheidung. So sieht eine liberale Zukunft aus.