Am 20. September 2026 entscheiden die Berlinerinnen und Berliner über die künftige Zusammensetzung des Abgeordnetenhauses. Es geht um die politische Richtung unserer Stadt für die kommenden Jahre.
Wer mit der Entwicklung Berlins unzufrieden ist, hat verschiedene Möglichkeiten. Man kann sich ärgern, schimpfen, resignieren oder aus Protest eine Partei wählen, deren Positionen man eigentlich nur teilweise teilt.
Man kann aber auch genau hinschauen, Prioritäten setzen und seine Stimme für konkrete Veränderungen nutzen.
Wahlen lösen nicht automatisch alle Probleme. Ohne Wahlen und ohne Beteiligung wird sich allerdings erst recht nichts verbessern.
Nichtwählen ist keine Botschaft
Viele Menschen haben den Eindruck, ihre Stimme ändere ohnehin nichts. Sie bleiben der Wahl fern, weil sie enttäuscht sind oder keiner Partei vollständig vertrauen.
Diese Haltung ist verständlich, aber sie führt in die falsche Richtung.
Eine nicht abgegebene Stimme enthält keine politische Botschaft. Sie sagt nicht, ob jemand mit der Wohnungspolitik, der wirtschaftlichen Entwicklung, der Verwaltung oder dem Zustand der Schulen unzufrieden ist. Sie wird auch nicht als besonderer Protest gegen die regierenden Parteien gezählt.
Sie fehlt einfach.
Damit entscheiden am Ende andere darüber, wie Berlin regiert wird. Wer nicht wählt, stärkt indirekt diejenigen, deren Anhänger zuverlässig zur Wahl gehen.
Demokratie lebt nicht davon, dass alle mit jeder Entscheidung zufrieden sind. Sie lebt davon, dass möglichst viele Menschen ihre unterschiedlichen Vorstellungen einbringen und Verantwortung für die politische Richtung übernehmen.
Eine Proteststimme hat konkrete Folgen
Auch eine Proteststimme ist keine folgenlose Warnung. Wer eine Partei wählt, unterstützt nicht nur den Punkt, dem er vielleicht zustimmt. Er stärkt das gesamte politische Angebot dieser Partei.
Das gilt für ihre Kandidaten, ihre Sprache, ihre Haltung zu unserem Rechtsstaat und ihre Antworten auf Fragen, die mit dem ursprünglichen Anlass der Protestwahl möglicherweise gar nichts zu tun haben.
Politischer Frust darf nicht ignoriert werden. Wenn Menschen den Eindruck gewinnen, der Staat sei nicht mehr handlungsfähig, Regeln würden nicht durchgesetzt und ihre alltäglichen Probleme fänden kein Gehör, verliert die Demokratie Vertrauen.
Die richtige Antwort darauf ist aber nicht weniger Demokratie. Die richtige Antwort ist eine Politik, die Probleme klar benennt, nachvollziehbare Lösungen anbietet und sich an ihren Ergebnissen messen lässt.
Dafür braucht Berlin klare Prioritäten.
Mehr Wohnungsbau
Berlin braucht mehr Wohnungen. Darüber besteht weitgehend Einigkeit. Trotzdem dauert es zu lange, bis aus einem Grundstück, einem Plan und einer Genehmigung tatsächlich neuer Wohnraum entsteht.
Der Wohnungsmangel lässt sich nicht durch immer neue Eingriffe in einen ohnehin angespannten Markt lösen. Wenn mehr Menschen eine Wohnung suchen, als Wohnungen vorhanden sind, muss das Angebot steigen.
Berlin muss deshalb schneller planen, schneller genehmigen und mehr bauen.
Dazu gehören kürzere Verfahren, klare Zuständigkeiten, die Nutzung geeigneter Flächen und mehr Möglichkeiten zur Nachverdichtung. Gebäude können aufgestockt, Dachgeschosse ausgebaut und geeignete Gewerbeflächen umgewandelt werden.
Öffentliche Wohnungsunternehmen können einen Beitrag leisten. Private Eigentümer, Genossenschaften und Investoren werden aber ebenfalls gebraucht. Entscheidend ist nicht, wer baut. Entscheidend ist, dass tatsächlich zusätzliche Wohnungen entstehen.
Wer bezahlbaren Wohnraum will, muss Wohnungsbau ermöglichen.
Wirtschaftliche Vernunft
Berlin kann Bildung, Sicherheit, Kultur, soziale Unterstützung und eine leistungsfähige Infrastruktur nur finanzieren, wenn die wirtschaftliche Grundlage stimmt.
Wohlstand entsteht nicht durch politische Beschlüsse. Er entsteht dort, wo Menschen arbeiten, Unternehmen gründen, investieren, ausbilden und Arbeitsplätze schaffen.
Selbstständige, Freiberufler, Handwerker sowie kleine und mittlere Unternehmen prägen unsere Stadt. Sie übernehmen Verantwortung, tragen finanzielle Risiken und sorgen dafür, dass Berlin funktioniert.
Trotzdem behandelt die Politik sie häufig vor allem als Adressaten neuer Vorschriften, Nachweise und Abgaben.
Wirtschaftliche Vernunft bedeutet, Unternehmen nicht unter Generalverdacht zu stellen. Sie brauchen verlässliche Rahmenbedingungen, schnellere Genehmigungen und eine Verwaltung, die Investitionen ermöglicht, statt sie auszubremsen.
Wirtschaftliche Vernunft bedeutet auch, mit dem Geld der Bürger verantwortungsvoll umzugehen. Nicht jede politisch wünschenswerte Idee kann gleichzeitig finanziert werden. Ein solider Haushalt braucht Prioritäten.
Berlin muss zuerst seine grundlegenden Aufgaben erfüllen, bevor immer neue Projekte und Förderprogramme beschlossen werden.
Sicherheit und Sauberkeit
Die Menschen müssen sich in ihrer Stadt sicher fühlen können. Sie müssen darauf vertrauen können, dass Regeln gelten und der Staat dort handelt, wo seine Kernaufgaben betroffen sind.
Dazu braucht Berlin eine gut ausgestattete Polizei, eine leistungsfähige Justiz und schnelle Verfahren. Straftaten müssen konsequent verfolgt werden. Zugleich müssen Bürgerrechte geschützt und rechtsstaatliche Grenzen eingehalten werden.
Sicherheit zeigt sich aber nicht nur in Kriminalitätsstatistiken. Sie zeigt sich im Alltag. Menschen müssen Bahnhöfe, Plätze und Parks nutzen können, ohne bestimmte Orte aus Angst zu meiden.
Auch Sauberkeit ist keine Nebensache.
Vermüllte Straßen, beschädigte Einrichtungen und ungepflegte Grünanlagen prägen das Bild einer Stadt. Wenn solche Zustände über längere Zeit hingenommen werden, entsteht der Eindruck, dass Regeln folgenlos missachtet werden können.
Ein sauberer öffentlicher Raum verbessert die Lebensqualität und stärkt das Sicherheitsgefühl. Dafür braucht es ausreichende Reinigung, klare Verantwortlichkeiten und eine konsequente Ahndung von Vermüllung und Vandalismus.
Wer Berlin liebt, darf nicht akzeptieren, dass öffentliche Räume verwahrlosen.
Gute Bildung
Die Zukunft Berlins beginnt in seinen Schulen.
Kinder müssen unabhängig von ihrer Herkunft die Chance erhalten, lesen, schreiben und rechnen zu lernen. Unterricht muss zuverlässig stattfinden. Lehrkräfte brauchen Unterstützung und Schulen benötigen Gebäude, in denen gutes Lernen möglich ist.
Zu oft wird in der Bildungspolitik über neue Strukturen, Konzepte und Zuständigkeiten gesprochen. Entscheidend ist jedoch, was im Klassenzimmer ankommt.
Gute Bildung braucht ausreichend Lehrkräfte, eine moderne Ausstattung und mehr Freiräume für die Schulen. Entscheidungen sollten möglichst dort getroffen werden, wo die konkrete Situation bekannt ist.
Auch die berufliche Bildung muss stärker in den Mittelpunkt rücken. Berlin braucht gut ausgebildete Handwerker, technische Fachkräfte, Beschäftigte in sozialen Berufen und Menschen, die später selbst ein Unternehmen führen.
Akademische und berufliche Bildung sind gleichwertig. Beide eröffnen Chancen und tragen zur wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung bei.
Bildungsausgaben sind keine gewöhnlichen Ausgaben. Sie sind Investitionen in die Zukunft unserer Stadt.
Eine funktionierende Verwaltung
Viele Berliner erleben den Staat nicht in politischen Debatten, sondern bei der Beantragung eines Ausweises, einer Baugenehmigung, einer Gewerbeanmeldung oder eines Kitaplatzes.
Wenn Termine fehlen, Anträge monatelang liegen bleiben und Zuständigkeiten unklar sind, verliert der Staat Vertrauen.
Eine moderne Verwaltung muss erreichbar sein, verständlich kommunizieren und innerhalb angemessener Fristen entscheiden.
Dafür braucht Berlin digitale Verfahren, klare Zuständigkeiten und verbindliche Verwaltungsfristen. Bürger und Unternehmen sollten Angaben, die dem Staat bereits vorliegen, nicht immer wieder neu einreichen müssen.
Für häufige Verwaltungsleistungen sollte öffentlich nachvollziehbar sein, wie lange die Bearbeitung in den einzelnen Bezirken tatsächlich dauert. Transparenz macht Unterschiede sichtbar und schafft den notwendigen Druck zur Verbesserung.
Eine funktionierende Verwaltung ist kein Luxus und kein Randthema. Sie entscheidet über Wohnungsbau, Investitionen, Unternehmensgründungen und den Alltag der Menschen.
Fünf klare Erwartungen an Berlin
Die politischen Herausforderungen unserer Stadt sind komplex. Trotzdem lassen sich fünf klare Erwartungen formulieren:
- Mehr Wohnungsbau
- Wirtschaftliche Vernunft
- Sicherheit und Sauberkeit
- Gute Bildung
- Eine funktionierende Verwaltung
Das sind keine abstrakten politischen Begriffe. Es geht um die Wohnungssuche, den Arbeitsplatz, den Schulweg der Kinder, den Zustand des eigenen Kiezes und die Erfahrung mit einer Behörde.
Es geht um den Alltag.
Am 20. September 2026 wählen gehen
Niemand muss mit jeder Aussage einer Partei übereinstimmen. Eine solche Partei wird es kaum geben.
Wählen bedeutet, Prioritäten zu setzen. Welche Themen sind entscheidend? Welcher politischen Richtung traut man zu, Probleme nicht nur zu beschreiben, sondern tatsächlich zu lösen? Wer steht für Freiheit, Verantwortung und einen Staat, der sich auf seine wesentlichen Aufgaben konzentriert?
Wer mehr Wohnungsbau, wirtschaftliche Vernunft, Sicherheit und Sauberkeit, gute Bildung und eine funktionierende Verwaltung will, sollte am 20. September 2026 wählen gehen.
Nicht aus Gewohnheit. Nicht aus Protest. Sondern aus Überzeugung und mit einem klaren Ziel.
Berlin kann mehr. Berlin muss besser werden.
Berlin geht besser.