Nicht jede Gründung beginnt mit einer leeren Werkstatt. Manchmal beginnt sie mit einem Schlüssel, einem bestehenden Betrieb und zwei Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen.
Miles Peeckel und Tom Gerstmeier sind junge Handwerksmeister. Sie wollten gemeinsam Unternehmer werden. Nicht irgendwann, sondern konkret. Sie suchten einen kleinen Berliner Betrieb in ihrer Nähe, in dem sie ihre unterschiedlichen Stärken verbinden konnten.
Über die Nachfolgezentrale Berlin wurden sie auf die Schloss & Schlüssel E. F. Grunwald & Co GmbH aufmerksam. Die Vermittlungsstelle brachte sie mit den damaligen Inhabern zusammen und begleitete das Kennenlernen.
Knapp ein Jahr nach dem ersten Kontakt ist die Übergabe gelungen. Die beiden neuen Inhaber haben sich eingearbeitet. Die Auftragsbücher sind gut gefüllt. Und sie haben bereits Ideen für die nächsten Schritte. Die Nachfolgezentrale Berlin hat die Übergabe Anfang Oktober als aktuelles Praxisbeispiel vorgestellt.
Das ist eine gute Nachricht für Berlin.
Nicht weil der Staat ein Unternehmen geschaffen hätte. Sondern weil zwei Menschen die Freiheit genutzt haben, ein bestehendes Unternehmen zu kaufen, fortzuführen und weiterzuentwickeln.
Unternehmertum beginnt mit einer Entscheidung
Wer einen Betrieb übernimmt, erwirbt nicht nur Maschinen, Werkzeuge und Kundenkontakte.
Er übernimmt Verantwortung.
Für Aufträge, die pünktlich erledigt werden müssen. Für Rechnungen, die auch in schwächeren Monaten bezahlt werden. Für Kunden, die Qualität erwarten. Für Mitarbeiter, die sich auf verlässliche Führung verlassen. Und für den eigenen Lebensunterhalt.
Miles Peeckel und Tom Gerstmeier hätten angestellt bleiben können. Sie hätten feste Arbeitszeiten, ein planbares Gehalt und einen Vorgesetzten behalten können, der die letzte Entscheidung trifft.
Sie entschieden sich anders.
Sie wollten selbst gestalten. Damit akzeptierten sie zugleich, dass Freiheit und Risiko zusammengehören.
Das ist wirtschaftliche Freiheit in ihrer konkreten Form. Nicht als abstrakter Begriff aus einem Parteiprogramm. Sondern als Recht, Eigentum zu erwerben, Verträge zu schließen, Preise zu kalkulieren, Mitarbeiter einzustellen und mit den Folgen eigener Entscheidungen zu leben.
Ein Betrieb ist mehr als seine Bilanz
Wenn ein Unternehmen ohne Nachfolger schließt, verschwindet mehr als eine Handelsregisternummer.
Erfahrung geht verloren. Kunden müssen neue Ansprechpartner suchen. Ausbildungsplätze fallen weg. Lieferbeziehungen enden. Maschinen und Werkzeuge werden verkauft, obwohl sie in einem funktionierenden Betrieb weiter Werte schaffen könnten.
Bei einer gelungenen Nachfolge bleibt dieses Wissen erhalten. Gleichzeitig beginnt etwas Neues.
Die früheren Eigentümer können ihr Lebenswerk in andere Hände geben. Die Nachfolger müssen nicht bei null anfangen. Sie übernehmen Kunden, Strukturen und einen bekannten Namen. Dafür bezahlen sie einen Kaufpreis und tragen das unternehmerische Risiko.
Beide Seiten entscheiden freiwillig, ob die Bedingungen stimmen.
Genau darin liegt die Stärke von Eigentum und Vertragsfreiheit. Niemand muss verkaufen. Niemand muss kaufen. Aber wenn sich zwei Seiten einigen, kann aus einer Übergabe Zukunft entstehen.
Unternehmer schaffen Nachfolge, nicht der Senat
Die Geschichte der beiden Meister ist kein Einzelfall, aber erfolgreiche Übergaben sind noch längst keine Selbstverständlichkeit.
Der Berliner Senat stellt die Arbeit der Nachfolgezentrale inzwischen als eigenen wirtschaftspolitischen Erfolg heraus. Nach seiner Zwischenbilanz stieg die Zahl der registrierten Nutzer innerhalb eines Jahres von 1.219 auf 2.290. Die Zahl qualifizierter Vermittlungsvorschläge erhöhte sich von 167 auf 851. Insgesamt wurden 113 Erstgespräche vermittelt und elf Betriebsübergaben abgeschlossen. Weitere Verfahren laufen. Der Senat veröffentlichte diese Zahlen am 22. September 2026.
Doch die politische Zuordnung muss stimmen.
Der Senat hat diesen Betrieb weder aufgebaut noch gekauft. Er trägt weder das wirtschaftliche Risiko noch steht er morgens in der Werkstatt. Die Leistung gehört den bisherigen Eigentümern und den beiden Nachfolgern. Sie haben sich geprüft, geeinigt, finanziert und den Vertrag geschlossen.
Eine öffentlich finanzierte Kontaktstelle kann eine Begegnung erleichtern. Sie darf sich aber nicht mit der unternehmerischen Leistung schmücken, die anschließend andere erbringen.
Diese Zahlen zeigen zweierlei.
Erstens gibt es viele Menschen, die einen Betrieb übergeben oder übernehmen wollen.
Zweitens finden sie sich nicht automatisch.
Eine Unternehmensnachfolge ist vertraulich und persönlich. Verkäufer möchten ihre Mitarbeiter und Kunden nicht verunsichern. Käufer müssen prüfen, ob Zahlen, Betriebskultur und Zukunftsaussichten zusammenpassen. Beide Seiten benötigen Vertrauen, bevor sie sensible Informationen austauschen.
Eine neutrale Kontaktstelle kann dabei helfen. Das aktuelle Beispiel zeigt, dass Vermittlung einen echten Engpass beseitigen kann.
Eine Million Euro verlangen einen Leistungsnachweis
Die Nachfolgezentrale ist ein Gemeinschaftsprojekt der Bürgschaftsbank Berlin, der Industrie und Handelskammer und der Handwerkskammer. Das Land stellt 2026 eine Million Euro Steuergeld bereit. Zusammen mit Eigenmitteln der Partner stehen 1,15 Millionen Euro zur Verfügung.
Das ist keine liberale Erfolgsgeschichte des Senats. Es ist eine staatlich finanzierte Vermittlungsleistung, die sich rechtfertigen muss.
Elf abgeschlossene Übergaben allein wären für eine dauerhafte Millionenausgabe noch kein überzeugendes Ergebnis. Gleichzeitig wäre es unseriös, die gesamte Fördersumme einfach durch elf zu teilen. Nachfolgeprozesse dauern häufig mehrere Jahre. Die hohe Zahl laufender Kontakte kann später zu weiteren Abschlüssen führen.
Entscheidend ist deshalb Transparenz.
Die Nachfolgezentrale sollte jährlich veröffentlichen, wie viele Übergaben tatsächlich zustande kommen, wie viele Arbeitsplätze erhalten bleiben, wie lange die Vermittlung dauert und wie viele übernommene Betriebe nach drei Jahren noch bestehen.
Erweist sich das Modell als wirksam, müssen Kammern, Banken, Berater und private Plattformen schrittweise mehr Verantwortung übernehmen. Aus einer befristeten Hilfe darf keine dauerhafte Subvention und erst recht kein neues Staatsgeschäft werden.
Der Senat darf die Übergabe deshalb nicht als Beleg dafür verkaufen, dass mehr staatliche Förderung mehr Unternehmertum schafft. Der entscheidende Schritt kam von zwei Meistern, die Eigentum erwerben und Risiko übernehmen wollten.
Der Staat soll verlässliche Regeln setzen. Er soll sich fremde Leistung nicht politisch anheften.
Die größten Hürden entstehen nach dem ersten Kontakt
Ein passender Käufer und ein verkaufsbereiter Eigentümer sind nur der Anfang.
Danach müssen Finanzierung, Unternehmenswert, Steuern, Haftung, Mietverträge, Genehmigungen und die Übergabe an Mitarbeiter und Kunden geklärt werden. Jeder dieser Punkte kann einen vernünftigen Vertrag zum Scheitern bringen.
Politik kann nicht garantieren, dass eine Nachfolge gelingt. Sie kann aber vermeidbare Hindernisse beseitigen.
Erstens braucht Berlin ein digitales Unternehmenskonto. Behörden dürfen Unterlagen nicht mehrfach verlangen, wenn sie bereits bei einer anderen Stelle vorliegen.
Zweitens müssen betriebsbezogene Genehmigungen bei einer reinen Eigentümernachfolge grundsätzlich fortgelten, sofern Betrieb, Tätigkeit und Sicherheitsanforderungen unverändert bleiben. Eine neue Inhaberin macht eine Werkstatt nicht über Nacht gefährlicher.
Drittens benötigen Käufer verlässliche steuerliche Regeln. Wer jahrelang kalkuliert und finanziert, darf nicht kurz vor der Übergabe durch rückwirkende Änderungen überrascht werden.
Viertens muss privates Kapital Vorrang haben. Banken, Beteiligungspartner, Verkäuferdarlehen und private Investoren können Nachfolgen finanzieren. Staatliche Bürgschaften sind nur dort vertretbar, wo ein tragfähiges Vorhaben an fehlenden Sicherheiten scheitert. Auch dann braucht es eine marktgerechte Risikoprüfung.
Fünftens gehört Unternehmertum stärker in Meisterschulen, Hochschulen und berufliche Weiterbildung. Ein bestehendes Unternehmen zu übernehmen ist eine ebenso wertvolle Form der Gründung wie ein neues Startup.
Eigentum schafft eine andere Verantwortung
Wer Eigentümer ist, denkt anders als jemand, der nur einen Förderbescheid verwaltet.
Ein Eigentümer muss heute entscheiden und morgen mit dem Ergebnis leben. Er kann Gewinne erzielen, wenn seine Idee überzeugt. Er trägt aber auch Verluste, wenn er falsch kalkuliert.
Diese Verbindung von Chance und Haftung ist kein Makel. Sie ist eine Voraussetzung verantwortlichen Wirtschaftens.
Politik trennt beides zu häufig. Sie verteilt Vorteile an gut organisierte Gruppen und reicht die Kosten an Steuerzahler weiter. Sie fördert Projekte, ohne später zu prüfen, ob sie funktionieren. Sie setzt Preise fest, ohne für leere Regale oder ausbleibende Investitionen einzustehen.
Unternehmer können sich eine solche Verantwortungslosigkeit nicht leisten.
Miles Peeckel und Tom Gerstmeier können nicht im Ausschuss beschließen, dass ihre Kalkulation trotzdem stimmt. Sie müssen Kunden überzeugen. Genau deshalb verdient ihr Schritt Anerkennung.
Berlin braucht mehr Eigentümer und weniger Antragsteller
Eine freiheitliche Wirtschaftspolitik misst ihren Erfolg nicht daran, wie viele Menschen einen Förderantrag stellen.
Sie fragt, wie viele Menschen selbstständig entscheiden, investieren und Verantwortung übernehmen können.
Berlin sollte deshalb die Übernahme bestehender Betriebe erleichtern. Nicht durch immer höhere Zuschüsse, sondern durch weniger Reibung:
- eine zentrale digitale Anlaufstelle für sämtliche Ummeldungen
- verbindliche Bearbeitungsfristen
- Fortgeltung bestehender Genehmigungen bei unverändertem Betrieb
- verständliche und verlässliche Steuerregeln
- Wettbewerb bei Finanzierung und Beratung
- öffentliche Erfolgskontrolle für staatlich unterstützte Vermittlung
Das ist keine romantische Mittelstandspolitik. Es ist praktische Standortpolitik.
Warum diese Geschichte zur FDP gehört
Die FDP wird nicht gebraucht, um jedes erfolgreiche Unternehmen für sich zu vereinnahmen. Genau deshalb darf sie auch nicht zulassen, dass der Senat private Leistung zur Werbung für staatliche Förderpolitik umdeutet.
Aber ihre Geschichte zeigt, wofür eine liberale Partei gebraucht wird.
Für den Schutz von Eigentum. Für Vertragsfreiheit. Für einen Staat, der verlässliche Regeln setzt und sich danach zurücknimmt. Für eine Verwaltung, die eine Übergabe erleichtert, statt jede Veränderung wie einen neuen Gefahrenfall zu behandeln. Und für die Überzeugung, dass Menschen Verantwortung übernehmen können, ohne dauerhaft vom Staat geführt zu werden.
Die FDP muss diese Ordnung wieder klar und glaubwürdig vertreten.
Nicht nur für große Konzerne und digitale Startups. Auch für den Schlosser, die Bäckerei, den Pflegedienst, das Ingenieurbüro und das Ladengeschäft, dessen bisheriger Eigentümer einen Nachfolger sucht.
Eine Partei der wirtschaftlichen Freiheit muss Eigentümergesellschaft ermöglichen. Sie muss Menschen den Weg in die Selbstständigkeit öffnen und ihnen anschließend zutrauen, ihren Betrieb selbst zu führen.
Zwei Schlüssel für Berlins Zukunft
Bei der symbolischen Übergabe erhielten zwei junge Meister die Schlüssel zu einem bestehenden Berliner Unternehmen.
Der eine Schlüssel öffnet die Werkstatt.
Der andere steht für etwas Größeres: die Freiheit, aus Können, Mut und Verantwortung eine eigene Zukunft zu bauen.
Berlin braucht mehr solcher Übergaben. Mehr Menschen, die nicht nur eine Stelle suchen, sondern einen Betrieb übernehmen. Mehr Eigentümer, die investieren. Mehr Unternehmer, die aus Erfahrung etwas Neues machen.
Politik muss ihnen keine Zukunft entwerfen.
Sie muss ihnen nur die Tür öffnen und aus dem Weg gehen.
Das ist wirtschaftliche Freiheit. Und genau dafür braucht Deutschland eine starke FDP.