Selbstständigkeit verdient Anerkennung

Selbstständige, Freiberuflerinnen und Freiberufler, Handwerksbetriebe und kleine Unternehmen prägen Berlin. Sie beraten, behandeln, planen, reparieren, gestalten, bauen, bilden aus und schaffen Arbeitsplätze. Viele übernehmen persönliche finanzielle Risiken und tragen Verantwortung für Beschäftigte und deren Familien.

Trotzdem wird Selbstständigkeit politisch häufig wie ein zu regulierender Sonderfall behandelt. Neue Nachweispflichten, steigende Abgaben und komplizierte Verwaltungsverfahren treffen kleine Unternehmen besonders hart. Ein großer Konzern kann eigene Abteilungen für Steuern, Recht und Verwaltung unterhalten. Eine selbstständige Person muss dieselben Aufgaben häufig nach Feierabend erledigen.

Selbstständigkeit sollte wieder als erstrebenswerter Erwerbsweg anerkannt werden. Wer eine berufliche Idee verwirklichen, unabhängig arbeiten oder ein Unternehmen aufbauen möchte, verdient Unterstützung und verlässliche Rahmenbedingungen.

Das gilt besonders für die freien Berufe. Ärztinnen, Steuerberater, Rechtsanwältinnen, Architekten, Ingenieurinnen und viele weitere Berufsgruppen erbringen ihre Leistungen persönlich und eigenverantwortlich. Ihre Arbeit beruht auf Fachwissen, Vertrauen und beruflicher Selbstverwaltung. Diese besondere Form der Leistungserbringung braucht Freiräume und darf nicht durch immer neue Vorgaben geschwächt werden.

Auch die Sozialversicherung muss fairer gestaltet werden. Bei freiwillig gesetzlich versicherten Selbstständigen sollte für die Berechnung der Beiträge grundsätzlich das Einkommen aus der selbstständigen Tätigkeit maßgeblich sein. Andere Einkünfte, etwa aus Kapitalanlagen, Vermietung oder privaten Renten, sollten nicht zusätzlich herangezogen werden. Unterjährige Schätzungen und Nachweispflichten müssen auf das notwendige Minimum reduziert werden.

Kleine Unternehmen brauchen zudem steuerliche Entlastung. Der Gewerbesteuerfreibetrag sollte deutlich angehoben werden. Auf Berliner Ebene müssen rechtliche Möglichkeiten geprüft werden, Kleinunternehmen bei der Gewerbesteuer zu entlasten. Wer gerade erst gegründet hat, sollte in den ersten Jahren außerdem von Kammerbeiträgen befreit werden.

Selbstständigkeit im Handwerk muss wieder eine attraktive Karriereperspektive sein. Deshalb sollten die Kosten der Meisterprüfung und der vorbereitenden Lehrgänge durch das Land übernommen werden. Das stärkt Qualifikation, Unternehmensnachfolge und Ausbildungsbereitschaft.

Anerkennung zeigt sich jedoch nicht nur in Reden. Sie zeigt sich in schnellen Genehmigungen, planbaren Regeln, nutzbaren Gewerbeflächen, sicheren öffentlichen Räumen und einer Verwaltung, die Lösungen sucht. Das gilt für Handwerk und Einzelhandel ebenso wie für Gastronomie, Hotellerie, Tourismus und Kulturwirtschaft.

Berlin braucht Menschen, die etwas wagen. Wer investiert, ausbildet und Arbeitsplätze schafft, sollte Rückenwind bekommen. Selbstständigkeit verdient Anerkennung